Unterrichtsstunde 2.1: Die ungleiche Verteilung der natürlichen Ressourcen

Ziele:
  • Erkennen, dass die Menschen nicht überall über gleiche natürliche Res­sourcen verfügen.
  • Einsehen, dass wir unseren Energie- und Wasserverbrauch einschränken müssen.
Angestrebte Kenntnisse:
  • Eine Hypothese aufstellen und begründen können.
  • Eine Gegend oder einen Ort geographisch richtig einordnen können (mit der Weltkarte umgehen können).
  • Mit Datensätzen arbeiten können – in Tabellenform und als Diagramm; von einer zur anderen Darstellung wechseln können.
  • Mit Prozentangaben umgehen und auf konkrete Beispiele anwenden können.
  • Sich mitteilen und im Team arbeiten können.
Schwerpunkt: Geographie
Wortschatz: Natürliche Ressourcen, volkswirtschaftlicher Reichtum, Treibhausgas, Treib­hausgasemissio­nen, Energie, Umweltverschmutzung, Schadstoff, Trinkwas­ser, Trinkwasservorräte
Dauer: 1 Stunde
Material: Für jede/n Schüler/in:
  • ein Wasserglas
  • ein Spielzeugauto
  • ein Stuhl
Für die Klasse:

Pädagogische Anmerkung

  • In dieser Unterrichtsstunde spielen die Kinder das "Stühlespiel" [1]. Die Ver­teilung bestimmter natürlicher Ressourcen über die verschiedenen Kontinente wird so besonders deutlich vor Augen geführt. Da u. a. der volkswirtschaft­liche Reichtum – der eng mit dem Wohlstand, dem Lebens­standard der Men­schen in einem Land verknüpft ist – und der Zugang zu natürlichen Ressourcen verglichen werden sollen, haben wir die Welt in sechs Regionen unterteilt: Afrika, Asien, Europa, Lateiname­rika, Nordame­rika und Ozeanien.
  • Zur Aufteilung der Länder auf die Regionen: Zu Nordamerika zählen Kanada und die USA; zu Europa die Baltischen Länder, Russland (auch der Teil östlich des Urals), Weißrussland, die Ukraine, Moldawien; Lateinamerika umfasst Südamerika, Mittelamerika und die Karibik.
  • In dieser Unterrichtsstunde wird immer wieder mit Prozentangaben herum­han­tiert bzw. implizit der Dreisatz angewendet. Wenn die Schüler/innen all diese Zahlen selbst ausrechnen sollen, dauert die Unterrichtsstunde wesen­tlich länger als oben angegeben. Das Arbeitsblatt 4 enthält bereits die Ergebnisse für eine Klasse von 25 Schüler/inne/n. Wenn die Zeit zum Selberrechnen fehlt, kann die Tabelle mit den entsprechenden Werten für Klassenstärken von 13 bis 30 Schüler/inne/n konsultiert werden.
  • Das Stühlespiel lässt sich am besten draußen oder in der Turnhalle spielen.

Erste Etappe: Verteilung der Erdbevölkerung

Als Erstes bittet der/die Lehrer/in die Schüler/innen sich auf die Kontinente bzw. die sechs oben definierten Erdteile zu verteilen – und zwar entsprechend der von ihnen geschätzten (oder bekannten) Einwohnerzahlen. Jeder Erdteil kann zum Beispiel durch einen Tisch oder dergleichen symbolisiert werden.

Anschließend verrät er/sie die genauen Bevölkerungszahlen und wie die Vertei­lung – herun­ter­gerechnet auf die Anzahl der Schüler/innen in der Klasse – aus­sieht (siehe dazu die nach­folgende Tabelle bzw. die Tabelle mit den entspre­chen­den Werten für Klassenstärken von 13 bis 30 Schüler/inne/n). Ein/e Vertreter/in jedes Erdteils heftet dann kleine Spiel­figurensymbole auf die Welt­karte (jeweils so viele wie Schüler/innen in einem Erdteil "wohnen"). Die Sym­bole können aus dem Arbeitsblatt 5 ausgeschnitten werden.


Erdteil Bevölkerung im Jahr 2013 (in Millionen Einwohner) Anteil an der Welt­bevölkerung Schüler/innen (bei insgesamt 25 Schüler/inne/n)
Afrika 1 100 15 % 4
Asien 4 302 60 % 15
Europa   740 10 % 3
Lateinamerika   606 9 % 2
Nordamerika   352 5 % 1
Ozeanien    38 1 % 0

Tabelle 1: Wie sich die Weltbevölkerung über die 6 Erdteile verteilt. Insgesamt leben Mitte 2013 auf der Erde 7,137 Menschen.
Quelle: Länderdatenbank der Stiftung Weltbevölkerung

Wissenschaftliche Anmerkung

  • Die Schülerzahl wird in der Regel auf die nächste ganze Zahl auf- bzw. abge­rundet. Das geht jedoch nicht in allen Fällen auf: In der Tabelle mit den ange­passten Schü­lerzahlen hätte zum Beispiel bei 27 Schüler/inne/n bei Lateiname­rika 2 stehen müssen (genaue Zahl: 2,4), damit käme man aber auf eine Klas­senstärke von 26 und nicht 27. Also wurden die 2,4 auf 3 "aufgerundet". Das ist kein Problem, weil hier nur die Grö­ßen­ordnung eine Rolle spielt. Ähnliche "Datenmanipulationen" mussten auch bei den Zahlen für den volks­wirtschaftli­chen Reichtum, die Verfügbarkeit von Trinkwasser und die jährlichen Treib­haus­gasemissionen gemacht werden.
  • Demzufolge "taucht" Ozeanien in Anbetracht seiner Einwohnerzahl (1% der Welt­be­völ­ke­rung) lediglich bei den Trinkwasservorräten auf – mit einem Was­serglas.
  • Alle Tabellen für diese Unterrichtsstunde (Bevölkerung, volkswirtschaftli­cher Reich­tum, Trinkwasservorräte, Treibhausgasemissionen) finden sich im Arbeits­blatt 4. Die jeweils letzte Spalte gilt für 25 Schüler/innen. Für andere Klassen­stärken müssen die letzten Spalten aus der Tabelle mit Schülerzahlen zwi­schen 13 und 30 entnommen werden.

Pädagogische Anmerkung

  • Die Unterrichtsstunde kann natürlich auch im normalen Klassenraum statt­fin­den. Dann werden eben nur Spielfiguren verteilt, wie im folgenden Bild.
     
    Foto: Verteilung
	der Weltbevölkerung auf die verschiedenen Erdteile

    Abb. 1: Verteilung der Weltbevölkerung auf die verschiedenen Erdteile

Zweite Etappe: Verteilung des volkswirtschaftlichen Reichtums

Nachdem sich die 25 Schüler/innen proportional zu den Einwohnerzahlen auf die verschie­denen Erdteile verteilt haben, kommen nun die 25 Stühle ins Spiel. Jeder Erdteil erhält eine dem wirtschaftlichen Reichtum seiner Einwohner ent­spre­chende Anzahl von Stühlen. Je reicher, desto mehr Stühle. Der volkswirt­schaft­liche Reichtum wird anhand des Bruttonatio­naleinkommens festgestellt, das ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirt­schaft darstellt. Auch hier ist ein zweistufiges Vorgehen angebracht.

  1. Zuerst versuchen die Schüler/innen den wirtschaftlichen Reichtum für jeden Erdteil zu erraten und verteilen die Stühle entsprechend.
  2. Anschließend nennt der/die Lehrer/in die genauen Zahlen und lässt die Vertei­lung der Stühle korrigieren. Die Schüler/innen merken, dass bestimmte Erdteile viel zu viele Stühle haben und andere zu wenig (Beispiel: 1 Stuhl für 4 Perso­nen in Afrika, 7 Stühle für 3 Personen in Europa). Es liegt auf der Hand: Der wirtschaftliche Reich­tum ist bei weitem nicht gleichmäßig über den Erdball verteilt.

Erdteil Volkswirtschaft­licher Reichtum (BNE* 2012, in Milliarden US-Dollar) Anteil am welt­weiten volkswirt­schaft­lichen Reichtum Anzahl Stühle (bei insgesamt 25 Schüler/inne/n)
Afrika  3 311 4 % 1
Asien 33 556 41 % 10
Europa 21 364 26 % 7
Lateinamerika  6 587 8 % 2
Nordamerika 16 420 20 % 5
Ozeanien   1 162 1 % 0

Tabelle 2: Verteilung des volkswirtschaftlichen Reichtums auf der Erde [2]
Quelle: Länderdatenbank der Stiftung Weltbevölkerung
* BNE = Bruttonationaleinkommen, auf die Kaufkraft korrigiert

Auch hier werden wieder die Symbole (Euroscheine) auf der Weltkarte verteilt.

Dritte Etappe: Die Trinkwasservorräte

Die Trinkwasservorräte werden durch Wassergläser symbolisiert. Man geht wie gehabt vor: Die Gläser werden proportional zu den Vorräten an Trinkwasser jedem Erdteil zugeteilt und die entsprechenden Symbole auf der Weltkarte verteilt. Die folgende Tabelle gibt wieder die entsprechenden Zahlen, die letzte Spalte ist auch diesmal auf eine Klassenstärke von 25 Schüler/inne/n bezogen.


Erdteil Erneuerbare Trinkwasser­vorräte (2011, in km3 pro Jahr) Anteil an den weltweiten Trink­wasservorräten Anzahl Gläser (bei insgesamt 25 Schüler/inne/n)
Afrika  5 560 10 % 2
Asien 14 406 27 % 7
Europa  7 794 15 % 4
Lateinamerika 18 384 34 % 8
Nordamerika  5 971 11 % 3
Ozeanien  1 616 3 % 1

Tabelle 3: Verteilung der Trinkwasservorräte auf der Erde
Quelle: http://worldwater.org/water-data/

Vierte Etappe: Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen

Spielzeugautos symbolisieren die Treibhausgasemissionen. Auch hier verfährt man wie gehabt.

Pädagogische Anmerkung

  • Es soll an dieser Stelle weder die Rolle der Treibhausgase untersucht werden, noch Ur­sprung, Mechanismen und Folgen des Klimawandels. Dazu wären mindestens 10 Unter­richts­stunden nötig. Der Klimawandel wird ausführlich in dem Projekt "Das Klima, mein Planet und ich!" behandelt.
  • Der mit dem Bauen und Wohnen verbundene Energieverbrauch, sowie der damit eng ver­knüpfte Energieverbrauch für den Güter- und Personen­verkehr (Bauen, Wege zu Arbeit, Einkauf, Freizeit, ...), macht den Löwen­anteil der Treibhausgasemissionen aus. Und diese sind wiederum sehr ungleich über die Erde verteilt. Wir halten es deshalb für wichtig, an dieser Stelle darauf einzugehen, auch wenn der/die Lehrer/in dafür ein bisschen ausholen muss. Um das Thema einzuführen, kann man die Schü­ler/innen fragen, welche mensch­lichen Tätigkeiten "die Umwelt verschmutzen" (Fabri­ken, Autos, Heizung, ...) und erklären, wie Luftverschmutzung, Treibhausgase und Energieverbrauch zusammenhängen. Je mehr Energie verbraucht wird, desto größer ist der Ausstoß von Treibhausgasen. Wir gehen hier nur auf fossile Energien ein (Kohle, Erdöl, Gas), nicht auf Kernkraft oder erneuerbare Ener­gien. Auf Letztere werden wir in der dritten Unterrichtseinheit zurückkommen. Die Spiel­zeug­autos ver­anschau­lichen hier den mit dem Energieverbrauch der jeweiligen Einwohner einher­gehenden Ausstoß von Treibhausgasen.

Erdteil Jährliche Treibhaus­gas­emissionen 2010 (in Millionen Tonnen CO2) Anteil an den weltweiten Treibhausgas­emissionen Anzahl Spiel­zeug­autos (bei insgesamt 25 Schüler/inne/n)
Afrika  1 175 4 % 1
Asien 15 848 51 % 13
Europa  6 279 20 % 5
Lateinamerika  1 701 5 % 1
Nordamerika  5 932 19 % 5
Ozeanien    415 1 % 0

Tabelle 4: Verteilung der jährlichen Treibhausgasemissionen auf der Erde
Quelle: http://unstats.un.org/unsd/mdg/SeriesDetail.aspx?srid=749 (Millennium Development Goals Indicators Database der UNO)

Der/die Lehrer/in erklärt den Schüler/inne/n, dass die Industrieländer viel Energie verbrau­chen und daher mehr Treibhausgas ausstoßen als die armen Länder. Wenn man dem Klimawandel entgegenwirken will, muss man sich bemühen, den Ausstoß an Treibhaus­gasen zu vermindern. Das heißt, man muss weniger Energie verbrauchen.

Diskussion und Schlussfolgerung

Für die Diskussion und die schriftliche Schlussfolgerung ist es hilfreich, wenn man Fotos von den Gruppen macht, um für jeden Erdteil die Zahl der Kinder, Stühle, Wassergläser und Spielzeugautos zu dokumentieren. Auch die Welt­karte mit den Symbolen spiegelt anschaulich die Verteilung von Bevölkerung, wirtschaftlichem Reichtum, Trinkwasser­vor­räten und Treibhausgasemissionen wider. Der/die Lehrer/in erklärt, dass die Bevölkerung in den armen Ländern schneller wächst, und dadurch die Ungleichheit noch verstärkt wird.

Ins Arbeitsheft wird zum Beispiel folgende Schlussfolgerung eingetragen: "Wir stellen fest, dass wirtschaftlicher Reichtum und Trinkwasservorräte nicht gleichmäßig verteilt sind. 2050 werden auf der Erde 9 Milliarden Erdbewohner leben. Damit alle leben können, müs­sen wir unseren Energie- und Wasser­verbrauch einschränken."

Die Folgerung beruht zunächst auf Tatsachen. Die geforderten Verhaltens­weisen gehen dann über das Wissenschaftliche hinaus und sind eine Frage ethisch und politisch ver­nünftiger Entscheidungen (öffentliche Meinung, Parlamente, ...).

Erstellung eines Posters

Diese Unterrichtsstunde hat eine Schlüsselfunktion: Sie liefert die Begründung für die Notwendigkeit, die Auswirkungen unserer Lebensweise auf die Umwelt zu verringern, insbesondere weniger Wasser und weniger Energie zu verbrau­chen. Darauf werden wir in den nächsten Unterrichtsstunden immer wieder zurückkommen. Die Weltkarte mit den Symbolen sollte möglichst während des ganzen Projektes zu sehen sein.

An dieser Stelle kann die Klasse damit beginnen ein Poster zu entwerfen, das "Poster der Klasse", das nach und nach im Laufe der weiteren Unterrichts­stunden "gefüllt" wird. Es soll die Antworten auf die zwei folgenden Fragen darstellen:

  • Wie können wir weniger Energie verbrauchen?
  • Wie können wir unseren Wasserverbrauch verringern?

Dieses Poster, das zum Beispiel die Überschrift "Wie können wir unsere Lebens­weise öko­logisch gestalten?" haben könnte, soll der rote Faden für alle folgen­den Unterrichts­stunden sein. Ein Beispiel für solch ein abschließendes Poster ist in der Unterrichts­stunde 5.5 gezeigt.

Foto: Ungleiche Verteilung der Ressourcen auf der Erde

Abb. 2: Verteilung der Ressourcen auf der Erde

Fortsetzung

Mit Fünft- und Sechstklässlern kann man bei dieser Gelegenheit die Prozent­rechnung und die graphische Darstellung von Daten üben und vertiefen.

Diagramm: weltweite Ressourcenverteilung

Abb. 3: Grafische Darstellung der Ressourcenverteilung auf der Erde
Quelle für die Rubrik "Slums": UN Habitat – Urban Indicators (Zahlen für 2005) [3]


Fußnote

1: Das Stühlespiel basiert auf dem entsprechenden Spiel von ITECO, dem bel­gischen Weiter­bildungszentrum für Entwicklung und internationale Solidarität.

2: Es wurden die Zahlen für das BNE per capita für 2012 mit den Bevölke­rungszahlen von Mitte 2013 aus Tabelle 1 multipliziert.

3: Für das Diagramm wurde die Anzahl der Slumbewohner in den verschiede­nen Erdteilen durch die Zahl der Slumbewohner weltweit geteilt. 2005 wohnten laut UN Habitat insgesamt 710 Millionen Menschen in Slums.

Projektpartner

La main à la pâte Stiftung Sonnentaler