Unterrichtsstunde 1.1: Zeichne, wie du am liebsten wohnen möchtest

Ziele:
  • Warum bauen Menschen Häuser? Die (lebensnotwendigen und nicht lebensnotwendigen) Funktionen eines Hauses/einer Wohnung bestimmen.
  • Die Schüler/innen ihre Vorstellungen einer idealen Wohnung zeichnen und aufschreiben lassen.
Angestrebte Kenntnisse: Beobachten können, fragen, debattieren, die eigenen Vorstellungen von der "idealen" Woh­nung und ihre Funktionen begründen können.
Schwerpunkt: Naturwissenschaften und Technologie
Wortschatz: Haus, Wohnung, Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus, Gebäude, Behausung, Palast, optio­nal, Komfort, ästhetisch
Dauer: 1 Stunde 15 Minuten
Material: Zeichenpapier und Stifte

Einstiegsfrage

Der/die Lehrer/in kündigt der Klasse an, dass sie sich in nächster Zeit mit dem Bauen und Wohnen befassen werden. Sie/er bittet die Schüler/innen nachzu­denken, jeder für sich, was sie sich unter einer "idealen" Wohnung vorstellen (wobei das Wort "ideal" nicht fallen sollte, damit keine Fantasievorstellungen aufkommen):

"Nehmt ein Blatt Papier und zeichnet die Wohnung, in der ihr später einmal wohnen möch­tet. Ihr könnt die Zeichnung mit einer Legende versehen und diese Wohnung auch mit ein paar Sätzen beschreiben."

Kinderzeichnung eines idealen Hauses

Abb. 1: Kinderzeichnung eines "idealen" Hauses

Text: Wie sieht mein ideales Haus aus?

Abb. 2: Ein Kind beschreibt seine Vorstellung eines idealen Hauses.

Pädagogische Anmerkungen

  • Vorläufig ist noch nicht vom ökologischen Wohnen die Rede, sondern nur vom Woh­nen im Allgemeinen.
  • Es sollte betont werden, dass es nicht unbedingt ein "Haus" sein muss. Das Wort umfasst im Deutschen zahlreiche Wohnformen (individuelle und gemeinschaftliche, Einfamilien- und Mehrfamilienhaus, Hochhaus, ...). Für die meisten Schüler/innen wird allerdings ohnehin ein Einfamilienhaus die ideale Wohnform sein.
  • Aus den Legenden kann zum Beispiel hervorgehen, welche Materialien eingesetzt werden und welchen Wohnzwecken die verschiedenen Zimmer dienen.
  • Derartige Anweisungen führen (hoffentlich) zu sehr unterschiedlichen Zeichnungen: Manche Kinder zeigen Innenräume der Wohnung, andere das Äußere, wieder andere beides, manchmal drei-, meist zweidimensional.

Die Zeichnungen und Texte gemeinsam erörtern

Der/die Lehrer/in bittet einige Schüler/innen (5 oder 6), ihre Zeichnungen an die Tafel zu heften, die Begleittexte vorzulesen und auf Fragen der anderen Schüler/innen zu antwor­ten. In den meisten Fällen ist das "Ideal" eine einzeln stehende, riesige, prunkvolle Villa, wie sie in Fernsehserien oder Illustrierten vorkommt. Die Einrichtung ist entsprechend: ein großes Schwimmbecken, Sportwagen, überdimensionale Bildschirme, ... Nichtsdestotrotz haben einige Schüler/innen auch spielerische oder poetische Vorstellungen vom idealen Haus (Baumhäuser, Behausungen auf dem Meeresgrund, ...).

Kinderzeichnungen von
Wunschhäusern

Abb. 3: Gesammelte Wunschhaus-Zeichnungen

Der/die Lehrer/in fragt nach weiteren Vorschlägen, und falls Schüler/innen solche haben, werden sie aufgefordert, diese der ganzen Klasse vorzustellen. Ein Diskussionsthema kann zum Beispiel der Komfort sein. Verbinden die Kinder Komfort mit der Größe der Räume, mit schöner Einrichtung, mit gesundem Wohnen? Gemeinsam erörtert die Klasse Ähnlichkeiten und Unterschiede der Wohnformen. Schließlich sollen die Kinder jeder für sich über die verschiedenen Funktionen einer Wohnung nachdenken:

"Schreibt in euer Arbeitsheft, wozu es gut ist, ein Haus oder eine Wohnung zu haben."

Unter Beteiligung aller werden die einzelnen Vorschläge der Schüler/innen mit­einander ver­glichen und es wird festgestellt, dass ein Haus/eine Wohnung un­terschiedlichen Bedürf­nis­sen entsprechen kann. Die Klasse kann diese Bedürf­nisse nun ordnen, in lebensnotwen­dige und andere, man könnte auch sagen in "existentielle" und "optionale" (oder "zusätz­liche"). Falls es den Schüler/inne/n schwerfällt, die verschiedenen Bedürfnisse nach ihrer Bedeutung zu ordnen, kann man ihnen auf die Sprünge helfen, indem man fragt: "Was ist es, das Obdachlosen fehlt?"

Ein Beispiel:

lebensnotwendig nicht lebensnotwendig
Schutz vor Kälte und/oder Hitze unterhaltsame Beschäftigungen wie Lesen, Spielen, Fernsehen, am Computer sitzen
Schutz vor Regen und Wind Schutz vor Lärm
eine Schlafstelle Schutz vor Dieben
ein Platz zum Essen und Trinken Kommunikation (per Telefon, Post, Internet, ...)

Pädagogische Anmerkungen

  • Ausgehend von dieser Diskussion kann die geschichtliche Entwicklung des Wohnbe­darfs ein interessantes Thema sein. Manche Funktionen des Hausbaus haben sich nicht geändert (Schutz vor Kälte, Hitze, Unwetter), andere sind weggefallen (Schutz vor Raubtieren) oder haben sich verändert (anfänglich wohnte man gemeinsam unter einem Dach, das Haus diente gleichzeitig dem Schutz und dem sozialen Zusammen­halt; heutzutage gleicht die Wohnung häufig einem "Kokon", in den sich der Einzelne oder die Familie zurückziehen möchten). Manche Funktionen sind noch ganz neu (Schutz vor Lärm zum Beispiel, oder Kommunikation).
  • Diese Diskussion kann auch die Gelegenheit sein, das Thema Energie anzusprechen (wir werden später im Detail darauf zurückkommen). Womit kann man heizen, be­leuchten, den Computer betreiben? Den Kindern soll bewusst werden, dass wir ständig Energie in den verschiedensten Formen verbrauchen (Elektrizität, Gas, Holz, Heizöl).

Schlussfolgerung

Von dem/der Lehrer/in angeleitet, erarbeiten die Schüler/innen eine Schluss­folgerung, die ins Arbeitsheft eingetragen wird. Zum Beispiel: "Eine Wohnung entspricht unterschiedlichen Bedürfnissen, lebensnotwendigen (Schutz vor Unwetter, Essen, Schlafen) und entbehrli­chen (Unterhaltung, Kommunika­tion)."

Die Zeichnungen der Idealwohnung und die beschreibenden Texte klebt jedes Kind in sein Arbeitsheft. Am Ende des Projekts werden sie wieder gebraucht (für die Evaluation).

Mögliche Fortsetzungen

Die Unterrichtsstunde kann auf verschiedene Weise fortgesetzt werden:

  • Man kann die Entwicklung des Wohnens im Laufe der Jahrhunderte näher erörtern (z. B. einen chronologischen Fries erstellen, mit Fotos von [rekons­truierten] Häusern aus verschiedenen Zeiten) [1].
  • Man kann auch untersuchen, über welche Methoden der Mensch verfügt – über eine Behausung hinaus –, um sich vor Kälte oder auch vor Hitze zu schützen: Kleidung, körperliche Anpassung (im Winter: sich bewegen, damit einem wärmer wird; im Sommer: während der heißen Mittagsstunden ruhen), Körperwärme (Beispiel: das Zusammenrücken von Mensch und Tier im traditionellen Bauernhaus).


Fußnote

1: Dokumentation zur Geschichte des Wohnens:

  • Bernd Fuhrmann, Wencke Meteling, Barbara Rajkay, Matthias Weipert: Geschichte des Wohnens. Vom Mittelalter bis heute. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2008

Projektpartner

La main à la pâte Stiftung Sonnentaler